Deutsch zu sein kann manchmal amüsant, manchmal peinlich und meistens ein Vorteil sein. Jedenfalls in den USA. Unter die Kategorie "peinlich" fiel definitiv der Besuch eines hochrangigen, wenn auch nicht beruehmten deutschen Diplomaten an unserem Institut. Sein wenig gehaltvoller und lieblos präsentierter Vortrag ueber 60 Jahre deutsch-amerikanische Beziehungen konnte nur noch von dem mit dickem deutschen Akzent und unglaublich unangebrachten Fragen halbvollem Raum übertroffen werden. "Unangebracht" ist dabei noch weit untertrieben. Da war die Frage, an einen hochrangigen deutschen Diplomaten wohlgemerkt, ob die Bundesregierung nicht den hohen Eurokurs ändern könnte, damit mehr Amerikaner in Deutschland studieren können, noch halbwegs amüsant. Erst als dann jemand--ernsthaft--fragte, ob man nicht die deutsche Diplomatie dafür einsetzen könnte, um die Amerikaner zur Nutzung des metrischen Systems zu überreden, war in dem Raum jeglicher, noch übrig gebliebener akademische Anspruch verflogen; es begann, weh zu tun. Dass im Rest des Vortrags auch noch die Begriffe "Tokio Hotel" und "Bratwurst" fielen, war nur eine notwendige Konsequenz. Fazit: Zeitfehlinvestition (auch wenn ich mich ihm hinterher noch kurz persönlich vorstellen konnte).
Als "amüsant" fallen hingegen die verzweifelten Deutschversuche meines Mitbewohners aus. Da dass Spektrum seines Vokabulars, und damit unsere deutschen Gespräche, zwischen "Ich habe zwei Bier" und "Ich habe fünf Bier" liegt, bin ich mittlerweile genauso daran interessiert wie er, dass sein Wortschatz sich erweitert. Auf unserer Suche nach geeigneten Weiterbildungsmedien haben wir dann das hier gefunden: Learn to Speak German. Das fällt sowohl in die Kategorie "amüsant" als auch "peinlich", vor allem die Audioaufnahmen. Man kann doch niemandem eine neue Sprache abkaufen, wenn dessen Englischwortschatz und Aussprache alles andere als Sprachtalent beweisen. Nun gut. Immerhin ist er ernshaft und auf eher bescheidene Art--mal davon abgesehen, dass er für seine Lehrleistungen Spenden verlangt--daran interessiert, die deutsche Sprache zu verbreiten. (Viele Spenden wird er sowieso nicht bekommt, weil auf dem Knopf "Spenden" steht, was der Englischsprecher allenfalls mit "ausgeben"--to spend-- also mit "spenden"--to donate--übersetzt.)
Ansonsten beginne ich in drei Wochen Verhandlungen um die Verteilung von Rohstoffen und Territorien in der Arktis, unterziehe politischen Führungspersönlichkeiten einer Psychoanalyse, versuche die Weltwirtschaft zu retten und arbeite daran die USA als Hegemonialmacht zu verteidigen. Zwischendurch verliere ich beim Racquet Ball, baue mein Beklecker-Talent aus und strapaziere die Verwendung von Toastbrot in Mahlzeiten bis zum Äußersten. (Für letzteres gibt es übrigens keine Erklärung außer: Toastbrot ist etwas nahrhafter als Schokolade.) Außerdem ist mein Schokoladenvorrat noch nicht aufgebraucht, mein Schnee- und Winterlimit noch nicht erreicht und mein Sozialleben wird noch nicht vom Studium bestimmt. Alles bestens also.
Mittwoch, Januar 30, 2008
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