Mittlerweile ist Freitagabend. Vanessa ist nach Florida geflogen. Andrew studiert gerade; Bibliothekswissenschaften - was man nicht alles studieren kann. Und ich erhole mich von der Party gestern, indem ich mich auf die nächste in einer Stunde vorbereite.
Montag ist Laborday, die kapitalistische Variante zum 1. Mai. Das bedeutet für uns, dass wir einen Tag mehr frei haben. Einen Tag mehr, um unsere Aufgaben zu erledigen: zwei Bücher und drei Artikel lesen, zwei Aufsätze schreiben, Statistikaufgaben lösen, unsere Karriere planen, Parties besuchen.
Eigentlich war ein Trip nach New York City geplant, aber der wurde wegen unverschämt hoher Preise und Schlechtwettergarantie abgesagt. Dann bleiben wir halt in Syracuse. Hier steppt sowieso der Bär, oder vielmehr der Cowboy. Hier findet nämlich gerade der/die/das New York State Fair statt, eine Art Volksfest, auf dem man mit Karrussels fahren, sich im Rodeo ausprobieren oder Melken lernen kann (Vorsicht vor den Kuhschwänzen!). Cowboyhut ist Pflicht, jedenfalls empfohlen. Man will ja nicht auffallen. Wie hat mein Statistikprofessor so schön gesagt (bevor er sich einige Minuten lang vor Lachen nicht beruhigen wollte): Niemand will eigentlich ein Ausreißer sein. Wir sind immer nur dann Ausreißer, wenn wir angeben wollen.
Allerdings ist morgen auch hier Regen garantiert. Und auch wenn ich im Matsch spazieren, in der Achterbahn sich den Regen gegen das Gesicht klatschen lassen und einen Hotdog mit der Konsistenz eines Griesbreis essen sehr verlockend finde, Ziehe ich dann doch das in der Stube hocken vor.
Achso. Und morgen abend ist dann die nächste Party. Wenn mein analytischer und statistischer Sinn, der sich hier so langsam entwickelt, die gegenwärtigen Entwicklungen richtig beobachtet, dann ist das System des Party gebens eins, das der Form eines Kreises entspricht. Im Prinzip ist das ja nicht schlimm, bis auf, das ich auch in diesem Kreis bin. Ups. Naja, dann kann ich der Karaoke Maschine der Mieter über uns, die sich ständig im Hip Hop üben, und deren Fabrikbetrieb Konkurrenz machen.
So. Die Party ruft. Ich muss Deutschland repräsentieren. Und einige Amerikaner mit meiner, über einen längeren Zeitraum antrainierten Argumentationsfähigkeit überzeugen, welche Kurse für sie gut sind und welche nicht, nachdem mir das schon zweimal, wenn auch unbeabsichtigt, gelungen ist.
P.S.: Ich brauche da noch Hilfe mit meinem dritten Mitbewohner: sein Studienfach ist ja schon merkwürdig, aber sein Lebensstil noch viel mehr: Er steht drei Uhr nachmittags auf, geht um 6 Uhr zu Uni, kommt 10 Uhr nach hause und geht morgens um 6 Uhr ins Bett. Was macht man denn die ganze Nacht, wenn kein Mensch wach ist?
Freitag, September 01, 2006
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1 Kommentar:
Salut Manuel,
deine Kommentare sind klasse. Schon ist dein Studium rum und du hast bereits das nächste angefangen. Und nur "dank-deiner-Schwester", weiß ich was du so machst.
Jetzt lese ich ja wieder aus erster Hand.
Hoffe du bleibst bei deinen regelmäßigen Berichterstattungen. PS: Je mehr du versuchst es kürzer zu halten, umso mehr fällt dir während der Schreibtzeit ein, was du noch erzählen wolltest. ;)
Cheerio aus Berlin, Jette
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