Dienstag, Oktober 17, 2006

Huch

Da war ich aber lange abwesend. Jedenfalls im Internet. Und da mich jetzt das schlechte Gewissen ueberkommt (und ich etwas Abwechslung brauche), will ich ein paar Zeilen schreiben. Wer aufmerksam liest, wird auch feststellen, dass ich diesen Brief nicht von meinem Zimmer aus schreibe...

Wir wurden verschont. Vom Schnee jedenfalls. Und auch vom Stromausfall. Letzten Freitag wurde fuer Syracuse Schneefall angesagt, aber bis zu uns sollte er - gluecklicherweise, wenn man die Bilder aus Buffalo sieht - nicht kommen. Stattdessen wurde es einfach von heute auf morgen kalt, die Blaetter fielen, die Sonne schien, und die Squirrels sammelten und schrien um die Wette.
Apropos Squirrels (die amerikanische Variante der Eichhoernchen): Wie sovieles hier, sind diese Tiere ueberdurchschnittlich gross. Und oftmals schwarz - im Vergleich zum eigentlichen grau. Es gibt hier eine ganze Invasion. Und wenn hier ein Baum nicht von ihnen erobert wurde, dann ist er entweder krank, oder der vorherige Besitzer ist erst vor kurzem einem Stromschlag zum Opfer gefallen. Oder unter dem Baum befindet sich ein Stinktier.
Generell haben es die Tiere hier auf mich abgesen. Der/die/das Squirrel auf dem Baum neben meinem Fenster sitzt tagtaeglich auf dem Zaun und starrt in mein Fenster. Auf Neudeutsch nennt man das auch stalking. Vor allem wenn ich morgens mein Muesli esse. Der Futterneid steht quasi ueber seinem/ihrem regungslosen Kopf geschrieben. Und dann dieses Stinktier. Ich gehe eines Abends voellig furchtlos von der Uni nach hause, da sehe ich einen dunklen Schatten auf der anderen Strassenseite. Die Groesse, der buschelige Schwanz und das spitze Gesicht veraten sofort, was mir gleich droht. Ich gehe also schneller, um dem Unheil zu entkommen. Und dann hat es mich entdeckt. Es sieht mich an als sei ich das Exotikum. Ich versuche ihm gut zuzureden. Ich tue dir nichts. Die Luft is so schoen. Bitte nicht stinken. Die Schwanzspitze zuckt, und ich sehe mich schon meine Kleidung waschen. Ich gehe noch schneller. Es sieht mir hinterher. Und mit der Angst, es schickt mir noch eine Duftbotschaft mit dem Wind hinterher, laufe ich schleunigst nach hause. Glueck gehabt.
Ansonsten passiert nicht viel. Am Samstag hatten wir einen Spielabend. Die einzige arbeit- und unifreie Zeit letztes Wochenende (mal abgesehen von ein paar Telefonaten). Und man soll es doch nicht glauben: Jemand hat ein deutsches Spiel mitgebracht. Tanz des Hornochsen. Kennt ihr nicht? Ich auch nicht. Da war gleich jeder enttaeuscht. Sie hatten es doch auch wegen mir mitgebracht. (Ich frage mich allerdings, wie Amerikaner in den Besitz eines solchen Spiels kommen.) Da es ja nun ein deutsches Spiel war, war auch die Anleitung auf Deutsch - und Franzoesisch, was das ganze nicht leichter machte. Mit deuscher Praezision und dem Hang zum Komplizierten wurden also alle Spielregeln erklaert. Und ich sollte uebersetzen. Wenn ich euch nun noch erzaehle, dass es um Rechnen, Zahlenvergleiche und Kuhfladen ging, dann koennt ihr verstehen, warum wir das Spiel gleich wieder weggeraeumt haben. Danach haben wir dan Ucranium gespielt, eine art Activity mit Pantomime, Zeichnen, Kneten oder Lieder summen. Letzteres fand ich besonders witzig, weil ich 80 Prozent der Lieder nicht kannte. Generell mussten wir die Haelfte der Karten weglegen, weil mir das Vokabular fehlte. Aber nun weiss ich, wie man "Sie ist wie eine Steinmauer" pfeift. (Ueber den Sinn des Textes konnte mich uebrigens keiner aufklaeren.) Mein Team hat - natuerlich - nicht gewonnen. Insgesamt war es ein wirklich schoener Abend, auch weil wir am Kamminfeuer gesessen, Schokoladenkuchen (Brownies) gegessen und Wein getrunken haben.
Nun bin ich auf der Suche nach Gluehwein, weil mich jeder hier, der schon mal in Deutschland war, danach fragt. Bisher war meine Suche erfolglos. Wenn ihr Ideen habt, immer her damit.
Ein kleines Update vom Campus: Heute kommt Wangari Maathai, die Friedensnobelpreistraegerin von 2004. Leider habe ich keine Zeit, weil ich morgen eine Zwischenpruefung schreibe. Morgen aber nehme ich an einer Konferenz mit dem Titel "Building Bridges" teil, mit dem ehemaligen U.S.-Botschafterbei den Vereinten Nationen, Richard Holbrooke, Diane Weathers, beruehmte amerikanische Journalistin, William Safire, Pulitzer-Presitraeger, und anderen Professoren, Politikern und Schriftstellern. Ich bin gespannt. Es soll um Strategien fuer den Weltfrieden gehen. Ein bescheidenes Ziel. Ausserdem haben wir auch wieder ein Karrierestrategien-Treffen. Und bin ich jetzt vorsitzender des Professional Committees der Maxwell International Students Organizations. Das heisst? Ich organisiere und betreue Vortraege, Workshops und Veranstaltungen, bei denen es um den Berufseinstieg (Bewerbung, Job finden, Bewerbungsgespraech etc.) geht, um Networking mit Ehemaligen und um die Organisation von Career Fairs (Organisationen kommen nach Syracuse, um Studenten anzuwerben). Ich habe ja sonst nichts zu tun.
So Zeit was zu tun. Auf zur Lerngruppe. Die Minimierung von Kosten und die Maximierung von Produktionsoutput warten auf mich. Hmm, gilt das fuer diesen Blog? Das werde ich mir jetzt auf meinem Weg ueberlegen.

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Hallo Manuel,
es ist ja sehr interessant. wie dicht du mit den Tieren zusammenlebst. Es klinkt ja fast wie Wildnis.Laß dich bloß nicht unterkriegen! Das Wetter bei Euch ist uns ja auch immer einen Schritt vorraus. Hier war heute noch herrlicher Sonnenschein und ca. 15 grad. Karsten und Sophie haben in Zypern 28 grad und immer Sonne und du denkst schon an Schnee.Kati`s Schule fängt morgen auch wieder an. So ist für Alle wieder der Alltag da. Für deine Zwischenprüfen drücken wir dir die Daumen, aber wir wissen auch, du schaffst das schon.
Alles liebe von der Pogrellbande

Anonym hat gesagt…

Hi Meister des Duftes.

Ab online und "Glühwein selber machen" googlen.

Dann Wein kaufen, Zusätze und kleine Duftnelken, Orangen, Zimt etc. Dann seid ihr mittendrin im dt. Weihnachtszauber.

Bon appetit und duftige Tage. :)
Jette