Freitag, Oktober 20, 2006

Patrick Lindner zum Abendessen

Wieso beschwer ich mich eigentlich? Ich schreibe ja schon wieder. Wahrscheinlich habe ich ein erhöhtes Mitteilungsbedürfnis. Und überhaupt ein Defizit was das Sozialleben betrifft.
Ich habe heute den ganzen Tag in der Uni verbracht. Das Wetter hätte zwar sowieso keine Außenaktivitäten zugelassen. Aber es gäbe so viele Dinge, die ich sonst tun könnte. Schlafen zum Beispiel. Oder meinen Stalker zurück anstarren. Oder Kuchen backen. Oder nach einem Halloweenkostüm suchen. Ich weiß allerdings noch nicht, was oder wer ich sein will. Ich wollte als Hotdog gehen. Aber das wird zu kompliziert. Und Spiderman ist zu abgedroschen. Nachdem ich mittlerweile hier den Spitznamen 'Liebling' weghabe (und damit meine ich tatsächlich das deutsche Wort) - fragt nicht warum - könnte ich als überdimensionales Herz gehen. Apropos. Es hat schon etwas komisches: "Thank you, Liebling", "Hey Liebling", "You Liebling, you". Nun wisst ihr, was ich hier durchmache. Aber ich gebe mir auch alle Mühe, alle möglichen Vorurteile zu bedienen. Ich bade an FKK Stränden, ziehe Socken in Sandaletten an, habe die Hände auf dem Tisch beim Essen und gehe vor dem Schlafen duschen. Außerdem spreche ich mit vollem Mund, bin immer pünktlich, beschwere mich über alles und bin überdurchschnittlich theorieorientiert und schockiere durch unsensible Ehrlichkeit. Nun könnt ihr euch aussuchen was davon wahr ist. Und wo wir schon bei Deutsch sind: Gestern durfte ich zum Abendessen Patrick Lindner hören. Was gibt es schöneres. Zum Beispiel Florian Silbereisen, der ihn ankündigt. Und Marianne und Michael die ihm ein Dankeschönlied playback singen. Vanessa ist ein großer - Vorsicht: Abkürzung - PL-Fan. Ein Trauma aus Kindertagen vermute ich. Jedenfalls besucht uns ihre Mutter gerade und hat gleich ein paar CDs mitgebracht. Das hat schon was skurriles. In den USA PL zu hören. Fehlte nur noch ein Video vom Musikantenstadl. Es war dennoch ein schöner Abend. Wir haben lecker gegessen. Viel erzählt. Viel gelernt. Und dann habe ich noch bis 24 Uhr geschrieben. Und dann - ich konnte es selbst nicht glauben - war ich heute morgen schwimmen. Um 7 Uhr. Wie Du, Oma. Bloß nicht in der Ostsee. Sondern in der Schwimmhalle. Und ich war nicht überrascht: die Schwimmhalle war fast leer. Wer geht auch so früh schwimmen. Außer mir und der Kommilitonin, die mich da reingeritten hat. Nach drei Monaten Unsportlichkeit und drei 25 yard Bahnen habe ich dann auch gepumpt wie ein Kanninchen. Ja. Drei Monate bin ich mittlerweile hier. Die Zeit vergeht genauso schnell wie die Blätter von den Bäumen fallen. Oder genauso schnell wie die Welt Darfur, den Putsch in Thailand, die Friedensnobelpreisträger oder sich selbst vergisst. Die Konferenz war übrigens sehr aufschlussreich. Menschen, die tatsächlich Konflikte gelöst haben. Mit sehr aufwühlenden Appellen an die gegenwärtige US-Regierung. Und ein überraschend regierungskritisches Publikum. Es wurde übrigens ins Internet übertragen. Und ich wurde interviewt. Habe auch gewunken. Für euch.
Ich bin übrigens dabei eine Liste meiner amerikanischen Lieblingswörter zu erstellen. Ganz oben steht "whatever" (was auch immer). Das kann man nämlich immer sagen. Und hat sowas herrlich relativierendes. Gefolgt von "worldpeace" (Weltfrieden) und dann schwanke ich zwischen "Stalking" (so ähnlich wie spannern, wie das Squirrel vor meinem Fenster), "Rubbing" (sowas wie einreiben) und "Grabbing" (Grapschen).
So. Zurück zur Weltsystemtheorie, zu den Indiandern und der Revolution in Haiti.

3 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Hallo Manu,
viel Spaß beim Halloween feiern.Das Kostüm ist wichtig . Dir wird schon was schönes einfallen. Kati erinnert sich gern an diesen Tag in Californien.
Viel Spaß und wir warten auf Deinen Bericht!

Anonym hat gesagt…

*auauau* mein abgelachter Bauch tut soooo weh.

Cheerio aus Berlin,
Jette

charly hat gesagt…

Lieber Manuel oder besser Liebling,

ich finde, als angehender Akademiker solltest Du Dich nicht nur zu Halloween fragen, wer du bist oder sein möchtest. Des Weiteren könntest Du doch mal versuchen, Dein Stalker-Hörnchen mit ein paar Nüssen zu bestechen und fragen, ob es dich nicht auf die Halloween-Party begleiten will und dann kannst Du dort als der Squirrel-Whisperer auflaufen! Ich finde es übrigens unmenschlich, dass Du vor dem schlafen gehen duschst. Heißt das etwa, Du ziehst dich jeden Morgen an ohne Dir den Bettdreck abgewaschen zu haben - und dann schön in die Schwimmhalle gehen, um Wasser zu sparen. Das sind die Deutschen im Ausland!

Mein Lieblingswort auf englisch ist übrigens "discombobulated" (komplett verwirrt), weil es sich so nett ausspricht. Außerdem bin ich fleißig dabei, englische Sprichwörter zu lernen! Aktueller favorit: beggars can't be chooser. (irgenwie sowas wie "einem geschenkten gaul schaut man nicht ins maul")

Also, Liebling, pass gut auf dich auf und fühl dich gedrückt und grüß das Hörnchen, das sicher irgendwann in einem "I love you"-Shirt vor Deinem Fenster stehen wird. Ja, ich kann es deutlich vor mir sehen....