Es ist wahnsinnig heiß. Wahrscheinlich noch nicht so heiß wie in den Tropen, aber heiß genug um jede Bewegung zu vermeiden. Leider komme ich am Sitzen und am auf die Tasten kloppen nicht vorbei - schließlich wollen ja nicht nur die vier mehr oder weniger langen Hausarbeiten rechtzeitig fertig gestellt werden, sondern Ihr wollte ja auch informiert sein. Und so starre ich also möglichst regungslos auf den Bildschirm, und versuche mich in der Zehn-Finger-Technik, um auch meine Hände und Arme möglichst still zu halten... Vor drei Monaten wäre ich wahrscheinlich noch mit dem Computer - wäre der Vorgänger zu dem Zeitpunkt noch ansprechbar gewesen - durch die Wohnung gerannt, um mich warm zu halten, und hätte wahrscheinlich besonders schnell in die Tasten gehauen. Nun gut. Dinge ändern sich. Wie zum Beispiel mein Französisch. Ich merke, dass es bergauf geht, wenn auch mit einem englischen statt einem deutschen Akzent, wie meine Gastfamilie gestern bemerkte. Nun gut. Das soll mir ja egal sein. Mittlerweile fühle ich mich sowieso als deutscher U.S.-Amerikaner in Frankreich. Als wir am Sonntag in Baden-Baden baden waren (Baden-Baden ist nämlich ein - Überraschung - Badeort mit Thermalquellen) und ich auf eine Überzahl an Deutschen stieß, fühlte ich mich eher nicht-deutsch. Das mag allerdings auch an meinen amerikanischen Freunden gelegen haben. Oder an der Tatsache, dass es sich um Schwaben gehandelt hat - und die können ja schließlich kein Hochdeutsch, wie sie von sich selbst sagen.
Andere Highlights der letzten Wochen:
1. Ein Wochenendausflug nach Paris mit Mietwagen. Fazit: Ich kann - vorsicht, langsam lesen - bergauf parallel rückwärts einparken (Es lebe die Handbremse!). Ansonsten haben wir alles sehenswerte gesehen, und (fast) alles ist tatsächlich sehenswert: Eiffelturm, Seine, Montmarte, Sacre-Coeure, Notre Dame, Champs-Elysees, Arc de Triomphe, Moulin Rouge, Louvre, Lesbenbar, Prostituierte, Franzosen, Deutsche, Rugby. Mitbringsel: Sonnenbrand. Und Postkarten, die noch geschrieben werden wollen. Ups.
2. Tagesausflug durch den Elsaß. Fazit: Sauerkraut kann auch anstatt Kartoffeln serviert werden. Ein bisschen viel Kraut für meine Verhältnisse. Die Gegend allerdings ist wunderschön, vor allem die Haute-Königsburg, von der aus man über das Rheintal hinweg den Schwarzwald sehen kann, Colmar und sein Bier, die Weinberge, und die Winzereien. Mitbringsel: Kopfschmerzen, weil Weilverkostung in leicht dehydriertem Zustand.
3. Teilnahme an einer Anhörung im Europäischen Gerichtshof für Menschrechte. Fazit: Nicht jeder ist für den Beruf des Dolmetschers geeignet. Der Fall an sich war leider nur so interessant wie die Simultanübersetzungsfähigkeit der Dolmetscher. Mitbringsel: Nichts. Ich musste die Kopfhörer da lassen.
4. Mein Fahrrad. Fazit: Deutschland kann so dicht sein. Ich war heute für zehn Minuten in Deutschland, um Geld zu holen. Mitbringsel: Nichts. War zwar bei der Bank, habe aber vergessen, Geld abzuheben.
5. Zwei Hausarbeiten sind so gut wie beendet. Fazit: Peacekeeping-Operationen müssen vollkommen umdefiniert werden, um in gegenwärtigen Konfliktsituationen effektiv zu sein, und das Zentrum gegen Vetreibungen kann nur als europäisches Kooperationsprojekt entstehen, wohlmöglich in einer Grenzstadt, zum Beispiel Frankfurt/Oder. Mitbringsel: Ein paar kurze Nächte. Dafür sind aber nur noch zwei Arbeiten übrig: Friedliche Revolutionen und deren Voraussetzungen, und Moderner Antisemitismus in Europa. Außerdem muss ich nächste Woche in einer Simulation vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschrechte den Deutschen Staat anklagen, weil er meinem Mandanten, ein in Deutschland legal lebender Türke, die Staatsbürgerschaft rechtswidrig verweigert (der Fall ist noch etwas komplizierter).
6. Morgen fahren wir für ein paar Tage nach Genf und sehen uns ein paar internationale Organisationen (UNHCR, Rotes Kreuz und andere) an, wo wir auch Vorträge hören werden. Außerdem werden wir Klassenkameraden aus Syracuse treffen, die dort ihr Praktikum machen. Fazit: Juchuh. Mitbringsel: Wir weden sehen.
Gute Nacht.
Dienstag, Juni 19, 2007
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3 Kommentare:
Alles gelesen! Schwerstens beeindruckt! Neidisch auf Sprachtalent und Schreibwut.
Bei winterlicher Kaelte auf der neuseelaendischen Nordinsel ist mir jegliche Arbeitswut abhanden gekommen. Ausfluege finden nur in Eigenregie und ohne Vortraege statt und ich bewundere deinen Leistungsdrang. Einer muss ja die Welt verbessern. Aufi gehts.
Hicks, nicht so viel Wein. Wie lang bist du im schoenen Strasbourg? Wollte ich schon immer mal sehen!
Have a guten jour und blog fleissig!
Jette
Hallo Manuel,
wenn man Deine Berichte ließt, bekommt man gleich Lust in Frankreich Urlaub zu machen. Es ist so schön, das es Dir dort so gut gefällt! Weiterhin viel Spaß
wünschen Dir
alle Pogrell`s
Sag mal Hr. Frk-USA-Dt, bloggen sie bitte nicht so viel man koennte an dem Lesevolumen verhungern. Ich gestehe selber gerade nicht sooooooo aktiv zu bloggen, was nicht heisst, dass du einfach auch Pause machen kannst.
Hoffe bald von dir zu lesen.
Viele Gruesse aus dem aeusserst heissen (100 Grad Fahrenheit)Mobile, AL, USA
Cheerio, Jette
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