Donnerstag, Mai 31, 2007

Des nouvelles de Strasbourg

Ortswechsel. Mal wieder. Nach einer Woche Deutschland bin ich in Strasbourg angekommen. Ganz Frankreich ist das hier allerdings nicht, denn nicht nur stößt man fast schon zu oft auf Deutsche und deutschsprachige Franzosen, sondern auch das Essen hier erinnert mehr an Deutschland als an Frankreich: Eisbein, Sauerkraut, Spätzle. Dennoch: Frankreich ist nicht zu übersehen, und das obwohl man Deutschland fast noch riechen kann. Wie sehr sich zwei "Welten" unterscheiden können, die nur ein Fluss und eine Ländergrenze trennt, ist unbegreiflich.
Strasbourg ist wunderschön, vor allem weil man nicht französisch können muss. Ich will es aber können, so dass ich mich tatsächlich anstrengen muss, auch überall Französisch zu sprechen. Meine amerikanischen Freunde hier machen das natürlich nicht viel einfacher. Zumal mein Gehirn und mein Sprachzentrum an seine Grenzen stößt. Besonders am Montag, nach einer Woche fast auschschließlich Deutsch sprechend (und trotzdem noch auf Englisch denken und träumen), dann ein Tag auf Englisch mit meinen Freunden, und den Abend auf Französisch stammelnd, wachte ich mitten in der Nacht auf, und wusste nicht, in welcher Sprache ich zuerst denken soll. Mein Gehirn war - glaube ich jedenfalls - kurz vor der sprachlichen Explosion. Mittlerweile geht es allerdings, zumal ja Deutsch wieder in den Hintergrund gefallen ist. Dann blieben nur noch zwei Sprachen. Und ich muss sagen, dass ich über mein Französisch überrascht bin. Es ist besser als ich dachte, auch wenn ich immer noch Malaiisch und Französisch ab und zu und unabsichtlich verwechsel.
Ansonsten habe ich heute bereits den Konflikt über das Raketenabwehrschild über Osteuropa gelöst, bin mit dem Fahrrad unter dem Europaparlament durch gefahren, genieße jeden Tag das französische Mensaessen, beginne jeden Tag mit einem wunderschönen "Bonjour" und habe bereits sämtliche amerikanischen Sendungen auf französisch gesehen - ohne etwas zu verstehen. Mein Gastfamilie besteht aus einem jungen Paar, das eine große, wunderschöne Wohnung hat, in der ich allerdings nicht lebe, sondern in einer eigenen Wohnung eine Etage tiefer. Wir leben 30 Schritte vom ARTE-Sitz entfernt, vier Minuten vom Europarlament, sechs Minuten vom Europarat und nur 5 Minuten von der Uni weg. Da ich nun aber auch ein Fahrrad habe, dass mir allerdings viel zu klein ist, ist es nur eine Minute. Die Innenstadt selbst ist auch nicht weit weg, und ist zudem wunderschön. Nur die Anzahl der Störche in dieser Stadt finde ich merkwürdig - Stasbourg muss ein unheimlich fruchtbare Stadt sein - genauso wie der Pferde-/Kuh- oder der Geruch eines anderen grasverdauenden Tieres im Park.
Unsere Kurse sind überraschend anspruchsvoll, und unsere Undergrads sind davon wahrscheinlich etwas überfordert. Ich habe bereits die erste Nachtschicht eingelegt, um mein Lesepensum zu schaffen, und das gleich am ersten Tag. Danach ging es allerdings, weil unsere Professorin zur Zeit in Brüssel verweilt. Mir tun die Undergrads auch deshalb leid, weil einige von ihnen zum ersten Mal im Ausland sind, und das gleich in Frankreich, wo Englisch nun wirklich nicht die Lieblingsfremdsprache ist. Außerdem haben einige noch nie Alkohol getrunken - und das im Land des Weines. Ihre Eltern werden ihre Kinder wahrscheinlich vollkommen "verdorben" wieder in Empfang nehmen. Aber wieviel können die Franzosen schon einen Amerikaner verderben, außer dass er Geschmack für gutes Essen und ein gesundes Verhältnis zu Alkohol entwickelt, die Liebe zu seinem Lebensmotto macht und die Vorzüge des Zufußlaufens bzw. des Fahrradfahrens lernt.
Nun gut. Ich halte euch auf dem Laufenden. Am Wochenende ist erstmal eine Tour durch den Elsaß geplant. Natürlich mit Weinverkostung und gutem Essen. Auf Französisch natürlich. Aurevoir.

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Hallo Manuel,
Schön, das es Dir in Strasboug so gut gefällt und Du diese wunderschöne Sprache auch noch erlernst. Genieß die Zeit in Frankreich. Wir warten auf deine Berichte.
Liebe Grüße von allen Pogrell`s

mariposa hat gesagt…

Hallo Grosser,

auch ich bin wieder einen Schritt weiter gekommen und kenne bereits meine neue Adresse. =)
Ich freue mich schon auf meinen Flug nach Hamburg und auf unser Wiedersehen.

Sei umarmt von deiner kleinen Schwester!